CRO-MAGS, HOODS, BRICK BY BRICK, GIVE EM BLOOD (30.7.26)

Eigentlich begann die Hardcore-Woche in der Goldgrube Kassel schon am Abend zuvor: Madball verwandelten die ausverkaufte Grube Berichten zufolge in eine regelrechte Sauna. Leider musste ich aus gesundheitlichen Gründen passen – umso größer war die Vorfreude, zumindest am folgenden Abend mit den Cro-Mags und ihren Vorbands dabei sein zu können. Der Abend stand ganz im Zeichen kompromisslosen Hardcores. Angeführt von den legendären Cro-Mags, aber auch die drei Vorbands sorgten für ein intensives, abwechslungsreiches Programm.              Den Auftakt machten Give ’em Blood aus Graz, Österreich. Stilistisch bewegten sie sich eher im Deathcore als im klassischen Hardcore, was dem Abend direkt eine brachiale Note verlieh. Trotz der stilistischen Abweichung lieferten sie einen starken Opener ab: druckvoll, energiegeladen und mit ordentlich Wucht.

Anschließend betraten Brick by Brick aus New York die Bühne. Die Band, die bereits seit 2004 aktiv ist und inzwischen auf acht Alben zurückblicken kann – von „Pull The Trigger“ bis „Collapse“ – zeigte eindrucksvoll, warum sie sich über die Jahre einen Namen gemacht hat. Ihr Sound war roher, klassischer Hardcore mit Metal-Einschlag, präzise gespielt und mit spürbarer Erfahrung. Die Mischung aus Oldschool-Vibe und moderner Härte kam beim Publikum hervorragend an. Die tiefe Stimme des Sängers hat mir sehr gut gefallen.

Als dritte im Bunde folgten Hoods, eine echte Institution im Hardcore, gegründet 1995. Mit Mikey Hood steht heute nur noch das letzte Gründungsmitglied auf der Bühne – früher an der Gitarre, mittlerweile ausschließlich am Mikrofon. Die Band lieferte eine intensive Performance ab, gewohnt aggressiv und direkt. Wie schon bei den Bands zuvor war auch hier der Sänger permanent in Bewegung, hetzte von rechts nach links, suchte die Nähe zum Publikum und hielt die Energie konstant hoch.

Nach diesen drei schweißtreibenden Vorbands war es fast schon eine Wohltat, als die Cro-Mags die Bühne betraten – nicht etwa, weil es ruhiger wurde, sondern weil sich die Dynamik veränderte. Harley Flanagan übernahm nicht nur den Bass, sondern auch den Gesang und blieb dabei größtenteils hinter dem Mikrofon. Diese vermeintliche Ruhe tat seiner Ausstrahlung jedoch keinerlei Abbruch – im Gegenteil: Seine Präsenz war massiv, seine Stimme kraftvoll und durchdringend. Ein besonders intensiver Moment entstand, als Harley begann, über den Verlust eines guten Freundes zu sprechen. Gerade als er ansetzte, wurde er jedoch von einem laut dazwischenrufenden Gast unterbrochen. Sichtlich verärgert brach Harley ab und kommentierte nur knapp, dass es um Lou ging. Dieser kurze, rohe Moment traf umso härter. Der Tod des Sick Of It All-Sängers hatte viele im Raum bewegt – auch mich mehr, als ich erwartet hätte. Es blieb ein Gefühl zurück, als wäre eine gemeinsame Trauer möglich gewesen, die jedoch jäh unterbrochen wurde.  Dann jedoch gab es kein Innehalten mehr: Die Cro-Mags legten los – gnadenlos, druckvoll und mit voller Intensität. Klassiker reihten sich aneinander, die Energie im Raum explodierte förmlich. Harley, der bekanntlich gerne mal einen raucht, wirkte zwischenzeitlich fast gelöst und schien den Moment sichtlich zu genießen. Als er schließlich „in seinem Element“ war, lockerte sich auch die Stimmung ein wenig – ein kurzer, fast humorvoller Kontrast zur vorherigen Ernsthaftigkeit. Die Show war grandios. Von den starken Vorbands bis hin zu den Cro-Mags als Headliner bot der Abend alles, was ein Hardcore-Konzert ausmacht – rohe Energie, Emotionen, Wut, Gemeinschaft und diese ganz besondere Intensität, die man nur live erleben kann.

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