Den Anfang machten Gomorrha aus Frankenthal. Old School Death Metal, gegründet bereits 1986 – allerdings mit einer längeren Pause in der Bandgeschichte, bevor es wieder weiterging. Für mich waren sie keine Unbekannten. Bereits am 12. Juli 2025 hatte ich sie in der Goldgrube als Support von Slaughterday zusammen mit Discreation gesehen und damals schon für gut befunden. Umso schöner, dass sich an diesem Abend auch der Kreis persönlich ein wenig schloss: Bassist Peter König erkannte mich tatsächlich wieder – als Fotografin wohlgemerkt. Solche kleinen Momente machen einen Konzertabend gleich noch ein Stück sympathischer. Musikalisch blieben Gomorrha ihrer Linie treu: dreckiger, klassischer Death Metal, der nicht versucht, irgendwelchen modernen Trends hinterherzulaufen. Mit Peter König am Bass, Stefan Heintzelmann an der Gitarre und Fernst an den Drums legten sie einen passenden Grundstein für den Abend. Im Gepäck hatten sie unter anderem Material ihrer Alben „Doomed Mankind“ (2023) und „Straight Into Beyond“ (2025). Ein Opener, der nicht einfach nur seine Pflicht erfüllt, sondern Lust auf mehr machte.

Danach wurde es technisch. Und brutal. Internal Suffering stammen aus Kolumbien und sind seit 1996 unterwegs. Technical Brutal Death Metal steht auf dem Etikett – und spätestens nach den ersten Takten war klar, dass dieses Etikett nicht aus Versehen gewählt wurde. Interessanterweise verbindet die Band an diesem Abend sogar etwas mit der Goldgrube: Unser Soundmensch kommt ebenfalls aus Kolumbien. Die Verständigung war also kein Problem. Ich hatte es vorher tatsächlich nicht geschafft, in das aktuelle Material hineinzuhören. Vielleicht war das im Nachhinein sogar ganz gut. Denn so traf mich der Sound völlig unvorbereitet und mir fiel schlicht die Kinnlade runter. Was für ein geiler Scheiß! Technische Brutalität, extrem tiefe Growls, Geschwindigkeit und diese völlig durchgeknallte Präzision. Internal Suffering machten keine Gefangenen. Natürlich kamen mir stellenweise Suffocation als Vergleich in den Sinn. Und ganz ehrlich: Wenn da Anleihen vorhanden sind, hat mich das überhaupt nicht gestört. Im Gegenteil. Das passte wie Arsch auf Eimer. Ihr bislang letztes Album „Rituals“ von 2023 war mir vor diesem Abend noch unbekannt. Nach diesem Auftritt steht allerdings ziemlich eindeutig fest: Das muss ich nachholen. Internal Suffering waren für mich die Überraschung des Abends.

Und dann kam der Headliner. Das Lustige: Internal Bleeding hatte ich gerade erst am Samstag auf dem Party.San bewundert und nun standen sie nur wenige Tage später in der angenehm kuscheligen Atmosphäre der Goldgrube vor mir. Die US-Amerikaner aus New York sind seit 1991 aktiv und gelten als eine der Bands, die den Slam Brutal Death Metal maßgeblich geprägt und mitentwickelt haben. Und genau das bekam die Goldgrube an diesem Abend mit voller Wucht zu spüren. Während auf einem Festival eine Band zwangsläufig ein anderes räumliches Gefühl erzeugt, funktioniert Internal Bleeding in einem kleinen Club noch einmal auf eine ganz eigene Art. Keine riesige Bühne sondern ein enges Miteinander mit den Fans. In der ersten Reihe bekam man schon mal die Schweißtropfen des Sängers ab, während das Publikum, wie auch schon bei den Kolumbianern, einen heftigen Moshpit pflegten. Die Band fegte über die Bühne und lieferte genau das, was man von einer solchen Institution erwartet: schwer, brutal, groovend und scheißtreibend. Slam-Passagen trafen auf brutale Death-Metal-Wucht, dazu dieses ganz spezielle Gefühl, wenn ein Breakdown nicht einfach nur langsam wird, sondern einem gefühlt den Brustkorb zusammendrückt. Mit ihrem aktuellen Album „Settle All Scores“ im Gepäck zeigten Internal Bleeding eindrucksvoll, dass ihre Bedeutung für den Slam Brutal Death Metal nicht nur historische Fußnote ist. Die Band klingt nicht wie ein Museumsstück, sondern wie eine lebendige Abrissbirne.

Und irgendwo zwischen Wiedersehen, kolumbianischer Verständigung, technischen Gitarrenläufen, Suffocation-Vibes und Slam-Brettern wurde wieder einmal deutlich, warum kleine Clubshows so verdammt viel Spaß machen. Klein, eng, laut und verdammt gemütlich, zumindest für Menschen, die ihre Musik gerne möglichst brutal serviert bekommen.
