Bereits vor drei Jahren waren Agnostic Front im Philipp-Scheidemann-Haus in Kassel zu Gast, ebenfalls organisiert von der Goldgrube. Umso größer war die Vorfreude, die New Yorker Hardcore-Legende erneut in der Stadt zu erleben. Wenn eine Band wie Agnostic Front nach Deutschland kommt, ist klar: Das wird kein gewöhnlicher Abend. Ursprünglich für die Goldgrube geplant, wurde das Konzert kurzerhand in die Färberei verlegt, weil der Andrang entsprechend groß war. Veranstaltet von der Moshpit Crew Kassel, entwickelte sich der Abend schnell zu einem schweißtreibenden Highlight für die lokale Hardcore-Szene.

Den Auftakt machten Peace Of Mind aus Erfurt. Die Band, seit 2015 aktiv und mit mittlerweile fünf Veröffentlichungen im Gepäck, traf auf ein Publikum, das sich durch eine längere Wartezeit bereits ordentlich angestaut hatte. Doch als sie schließlich loslegten, entlud sich die Energie sofort. Mit druckvollem Sound und viel Intensität brachten sie die Menge schnell auf Betriebstemperatur. Die Mischung aus Tightness und Spielfreude kam hervorragend an – ein starker Support, der zeigte, warum sie sich in der Szene längst einen Namen gemacht haben.

Nach einer Umbaupause und Soundcheck wurde es ernst: Agnostic Front betraten die Bühne. Von der ersten Sekunde an verwandelte sich die Färberei in ein kochendes Biotop aus Stage-Divern, Circle Pits und mitsingenden Fans. Die Menge rastete förmlich aus. Ganz reibungslos begann der Gig allerdings nicht, gleich zu Beginn fiel das Mikro von Sänger Roger Miret aus. Doch das Problem wurde schnell behoben, ohne dass die Energie des Sets darunter litt. Im Gegenteil: Die kurze Panne wirkte fast wie ein zusätzlicher Adrenalinkick für Band und Publikum. Musikalisch lieferten Agnostic Front genau das, wofür sie seit Jahrzehnten stehen: kompromisslosen New York Hardcore – schnell, aggressiv und mit klarer Haltung. Besonders auffällig war die Interaktion auf der Bühne. Vinnie Stigma griff einmal selbst zum Mikro und sorgte für einen dieser typisch charmant-chaotischen Momente. Zusätzlich tauchte noch ein Gastmusiker auf, der dem Set eine weitere besondere Note verlieh. Die Stimmung im Publikum blieb durchgehend am Siedepunkt. Schweiß tropfte von der Decke, die Luft war dicht, und vor der Bühne gab es kaum einen Moment Stillstand. Das war wie erwartet großartig und selbstverständlich viel zu schnell vorbei.

