Die Goldgrube Kassel ist ja ohnehin bekannt für ihre schweißtreibende, intime Clubatmosphäre – und genau die wurde an diesem Abend wieder einmal voll ausgespielt. Anlass war die New Yorker Hardcore-Institution Pro-Pain mit ihrem 35-jährigen Bandjubiläum unterstützt von Hookline und Mein Herz in Flammen. Die Vortage noch als Support in riesigen Stadien gespielt und nun wieder ein kuscheliges Clubkonzert vor fast 200 Mann. Mit im Gepäck hatten sie ihr neues 17. Studioalbum „Stone Cold Anger“. Der Abend startete mit Mein Herz in Flammen, die direkt ohne viel Vorgeplänkel loslegten. Aus meiner Sicht ein solider Opener: roher, emotionaler Hardcore, der vor allem durch Authentizität überzeugt hat. Die Band wirkte hungrig und brachte die ersten Reihen schnell in Bewegung – noch etwas zurückhaltend, aber die Richtung war klar. Als es kurz Probleme mit der Gitarre gab, wurde mit einem klasse Drumsolo überbrückt. Und weiter ging die wilde Fahrt. Mein Herz In Flammen, junge deutsche Hardcore Newcomer – unbedingt merken.

Dann kam Hookline aus Nürnberg. Was viele vielleicht gar nicht sofort einordnen: Hookline gibt es bereits seit 1990, damit sind sie nicht nur echte Szene-Veteranen, sondern sogar länger aktiv als Ryker’s. Diese Erfahrung merkt man ihnen auf der Bühne sofort an. Man glaubt es kaum, aber in ihrer langjährigen Bandgeschichte waren sie zum ersten mal in Kassel – wurde auch mal Zeit. Ihr Sound ist kein aufgesetzter Retro-Hardcore, sondern wirkt gereift, ehrlich und gleichzeitig extrem druckvoll. Oldschool-Wurzeln treffen auf Punk-Attitüde und metallische Härte – und live entfaltet das eine enorme Energie. Eine Bühnenpräsenz ohne große Show, aber mit maximaler Glaubwürdigkeit.

Als Headliner betraten schließlich Pro-Pain die Bühne und lieferten genau das, was man von einer Hardcore-Legende erwartet. Seit den frühen 90ern stehen sie für kompromisslosen Sound und genau diese Energie war auch an diesem Abend spürbar. Ohne großes Drumherum: Riffs, Screams, kompromisslos, routiniert und mit genau der Ausstrahlung, die man sich von ihnen wünscht. Die Crowd war textsicher, laut und permanent in Action. Wut und Frust, Moshpit, Schweiß – alles da, nichts künstlich. Die Menge war jetzt komplett drin, textsicher, laut und permanent in Bewegung. Klassiker und neuere Songs gingen gleichermaßen nach vorne. Ich legte meine Kamera beizeiten weg und moshte mit. Und dann einer der Momente des Abends: Markus, der Besitzer der Goldgrube, sonst eher im Hintergrund, stand plötzlich selbst vorne und hat einfach mal den Pit eröffnet. Grandios, nicht umsonst heißt es Moshpit Crew Kassel. Das war ein schweißtreibender Hexenkessel und ich, wie viele andere auch, waren einfach nur klitschnass und glücklich. Danke, Pro Pain, so geht Hardcore.

