Am Sonntagabend verwandelte sich die Goldgrube Kassel einmal mehr in einen düsteren Tempel des Doom. Zweimal waren Eremit die letzten Jahre hier aufgetreten und ich hatte sie beide Male sausen lassen. Was ein schlimmer Fehler. Aber von vorne: Eigentlich wollte ich unbedingt Nekus sehen. Die machten auch den Opener, mit ihrem Stil irgendwo zwischen Death Doom und nekromantischer Schwere. Schon mit den ersten, schleppenden Riffs wurde klar, hier geht es nicht um Geschwindigkeit, sondern um Gewicht. Die Band aus Marburg setzt seit 2018 auf ein dichtes, düsteres Klangbild. Während die erste Fulllength „Sepulchral Divination“ eher dem finsteren Death Metal verkörpert, wird es bei der aktuellen „Death Apophenia“ mit dem Doomanteil noch gewichtiger. Ohne große Ansagen, dafür mit umso mehr Nachdruck, walzten sich die Songs durch den Raum. Langsame, schleppende Parts trafen auf tief gestimmte Gitarren und growlenden Gesang. Kein wildes Ausrasten, sondern konzentriertes Kopfnicken und ein fast schon tranceartiges Mitgehen des Publikums. Sie spielten bis auf zwei Songs hauptsächlich vom letzten Release und sie konnten mich diesen Abend vollends überzeugen.

Mit Eremit folgte der Hauptact. Die Band ist bekannt für ihren extrem langsamen, massiven Doom-Sound und ein erzählerisches Konzept, das sich durch alle Songs zieht. Live entfaltet sich diese Idee besonders eindrucksvoll. Die Stücke getragen von zähflüssigen Riffs und nahezu monolithischen Klangwänden. Jeder Ton schien sich durch den Raum zu drücken, während das Lichtkonzept mit der Nebelshow die beklemmende Atmosphäre zusätzlich verstärkte. Auch wenn die eine Nebelmaschine nur dann funktionierte wann sie wollte – für mich als Fotograf zum Glück. Die Rückwand bestand aus aufeinander gestapelten Boxen, die eine sehr laute Musik, aber nicht übersteuerte und sehr gut abgemischte, von sich gaben. Das riesige Eremitschwert, dass auch im Namensschriftzug verwoben ist, thronte vorne am Bühnenrand, wähend Moritz Fabian(Gesang,Gitarre) rechts positioniert war, Pascal Sommer(Gitarre) auf der anderen Seite und in der Mitte Marco Bäcker hinter seinem Drumkit. Dieser verschwand aber nicht hinter seinen Trommeln, sondern zog eine unglaubliche Show ab mit weitausgeholten Schlägen, präzise ausgeführt, hockte dicht über der Snare fast erdrückt vom eigenen Sound und schredderte mehrere Sticks. Persönlich liebte ich die „schnelleren“ Passagen in denen es richtig zur Sache ging, eher sludge als funeral, extrem geil. Das besondere Highlight des Abends war als Marco mit Mikrofon und Mundharmonika bewaffnet das Intro spielte und Moritz mit dem Saxophon nachlegte. Was eine körperlich ausdrucksstarke Performance in der jede Faser und Zelle der Musiker den Doomsound wiederspiegelte. Wahnsinn, ich bin immernoch völlig aus dem Häuschen und werde mich ewig ärgern, die vorherigen Shows verpasst zu haben. Hoffentlich kommen sie bald wieder.

