IOTUNN + IN VAIN + NEPHYLIM (23.4.26)

Die Goldgrube Kassel ist und bleibt eine der besten Adressen für intensive Clubshows – und auch diesmal wurde das wieder eindrucksvoll bestätigt. Zwar war der Abend nicht komplett ausverkauft, was ich eigentlich erwartet hätte, aber die Location war gut gefüllt und die Stimmung von Anfang an auf einem richtig starken Niveau. Das Publikum ging bei allen drei Bands spürbar mit und sorgte durchgehend für eine großartige Atmosphäre.

Den Anfang machten Nephylim, gegründet 2015. Ihr melodischer Death Metal kam direkt auf den Punkt: druckvoll, sauber gespielt und mit genug Atmosphäre, um nicht im reinen Geballer unterzugehen. Mit Material von Severance of Serenity und dem aktuellen Circuition präsentierten sie sich als starker Opener. Gerade die neueren Songs wirkten live sehr durchdacht und haben gezeigt, dass die Band sich weiterentwickelt hat. Ein gelungener Start in den Abend.

 

Mit In Vain wurde es dann nochmal deutlich intensiver. Die Norweger, seit 2003 aktiv, brachten ihre ganze Erfahrung auf die Bühne und lieferten eine extrem starke Performance ab. Songs vom Album Ænigma gehörten für mich zu den Highlights – komplex, atmosphärisch und live nochmal eine Ecke packender. Am meisten beeindruckt hat aber erneut Tobias Øymo Solbakk. Sein Drumming war schlicht überragend: technisch auf höchstem Niveau, aber gleichzeitig extrem dynamisch und lebendig. Kein Wunder, dass er auch für Ihsahn live spielt. Auch die Interaktion mit dem Publikum stimmte: Beim letzten Song sprang der Sänger kurzerhand ins Publikum – ein Moment, der die ohnehin schon gute Stimmung nochmal angeheizt hat.

Den Abschluss machten Iotunn – und die haben den Abend auf ein ganz eigenes Level gehoben. Mit Access All Worlds haben sie bereits ein starkes Debüt abgeliefert, aber Kinship ist nochmal eine ganz andere Hausnummer. Genau diese Qualität wurde auch live spürbar. Was Iotunn besonders macht, ist diese Mischung aus epischer Weite, progressiven Strukturen und gleichzeitig extrem eingängigen Melodien. Die Songs sind lang, aber nie langweilig – sie bauen sich langsam auf, entwickeln sich ständig weiter und nehmen einen komplett mit. Live fühlt sich das weniger wie einzelne Songs an, sondern eher wie ein zusammenhängender musikalischer Fluss. Die Spielzeit wirkte enorm – ohne auf die Uhr zu schauen, waren das gefühlt zwei Stunden. Aber genau das passt zu ihrer Musik: kurze Sets würden diesem Sound gar nicht gerecht werden. Sie haben sich Zeit genommen, ihre Stücke auszuspielen, Spannungsbögen aufzubauen und die Atmosphäre wirken zu lassen.

Dabei blieb die Band jederzeit kontrolliert und präzise, ohne steril zu wirken. Gerade die Kombination aus harten Passagen, klaren Vocals und diesen fast schon hymnischen Momenten hat live eine enorme Wirkung entfaltet. Dass es inzwischen sogar ein Live-Album gibt, passt da perfekt ins Bild.

Ein Abend, der gezeigt hat, wie stark dieses Genre live funktionieren kann – und warum gerade solche Clubshows oft mehr Eindruck hinterlassen als große Bühnen. Iotunn haben das Ganze dabei auf eine Weise abgeschlossen, die noch lange nachwirkt. 🤘

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