Am Dienstagabend wurde die Goldgrube in Kassel zum Schauplatz eines intensiven und atmosphärisch dichten Konzertabends – leider vor nur wenigen Zuschauern, die jedoch Zeugen eines besonderen Erlebnisses wurden. Den Auftakt machten Antania, ein ungewöhnliches Doom-/Bassdrum-Duo mit starkem Gothic-Einfluss. Die Formation, die ihre stilistisch und minimalistische Musik selbst als AGGROTECH Doom Metal beschreibt mit industrial und elektronischen Einflüssen, bestand lediglich aus einer Sängerin und einem Musiker, der sich um elektronische Drums und Sound kümmerte. Letzterer hatte sich dafür eigens einen Stand auf der Bühne aufgebaut, von dem aus er das Klangbild steuerte. Die Sängerin erschien zunächst komplett in Schwarz gehüllt: mit einem weiten Tuch um den Kopf und einer schwarzen Spitzenmaske vor dem Gesicht. So geheimnisvoll und fast sakral wirkend. Im Laufe des Sets legte sie das Tuch ab und setzte sich eine strahlenförmige Krone auf, die an die Freiheitsstatue erinnerte und ihre Erscheinung noch eindringlicher machte. Ihr leicht krächzender, rauer Gesang verband sich hervorragend mit den treibenden Bass- und Drum-Rhythmen. Stücke von ihrem Album The God Complex sorgten für einen intensiven Einstieg in den Abend – ein mehr als gelungener Opener.

Im Anschluss betraten Skaphos aus Frankreich die Bühne – und hoben das Konzert auf ein völlig neues Level. Die Band, gegründet 2018, besteht aus
Stephan Petitjean (Gesang, Gitarre)
Jérémy Tronyo (Gitarre, Backing Vocals)
Théo Langlois (Bass, Backing Vocals)
Nathan Faure (Drums)
Ein großer Teil des Sets bestand aus Songs ihres gefeierten Albums „Cult of Uzura“, ergänzt durch das aktuelle Material aus „The Descent“, bei dem es sich um neu interpretierte Versionen älterer Stücke aus „Bathyscaphe“ und „Thooï“ handelt. Die Songs wurden komplett überarbeitet, erhielten neue Lyrics und neue Titel. Thematisch bewegen sich Skaphos tief in Lovecraft’schen Abgründen, Ozeanwelten und kosmischem Horror – musikalisch umgesetzt in einer wuchtigen Mischung aus Black- und Death Metal. Besonders hervorzuheben war das Schlagzeug: druckvoll, präzise und auch im Songwriting ein tragendes Element. Gerade auf der kleinen Bühne der Goldgrube war das Drumkit extrem präsent und dominierte den Sound stellenweise deutlich, wodurch die Gitarren zeitweise etwas in den Hintergrund rückten. Dennoch tat das der Gesamtwirkung kaum einen Abbruch, sondern verstärkte vielmehr die rohe, unmittelbare Energie des Auftritts. Auch visuell ließ die Band nichts anbrennen: Ein bis ins Detail durchdachtes Bühnenoutfit, eigens mitgebrachtes Licht und dichte Nebelschwaden schufen eine beklemmende, fast hypnotische Atmosphäre. Die Show war schlichtweg überragend. Trotz der vergleichsweise kleinen Zuschauerzahl spielte die Band mit voller Intensität – vielleicht sogar gerade deshalb. Die Zeit verging wie im Flug, so fesselnd war das Set. Als kleine Zugabe gab es für die anwesenden Fans noch einen zusätzlichen Song – ein würdiger Abschluss eines viel zu schnell vergangenen Konzerts. Wer an diesem Abend nicht dabei war, hat definitiv etwas verpasst.

