Endlich mal wieder Grube! Den ganzen September war ich nicht hier, umso mehr hatte ich mich auf diesen Abend gefreut. Vor allem The Spirit standen seit der Ankündigung auf meiner persönlichen Must-see-Liste. Allerdings hatte sich der Konzertbeginn um eine halbe Stunde nach vorne verschoben, was ich irgendwie verpennt hatte. So stand ich auf die Sekunde genau vor der Bühne, als die erste Band bereits loslegte. Glück gehabt! The Omega Swarm machten den Anfang. Die Band, zu der unter anderem der Gitarrist von Sulphur Aeon gehört, nahm mich vom ersten Moment an mit. Wuchtig, böse und mit einer ordentlichen Portion Abgrund ausgestattet, walzte mir der Sound direkt entgegen. Besonders der Sänger wusste mit seiner starken Stimme und tiefen Growls zu überzeugen. Dazu gab es eine klasse Bühnenpräsenz, die den ohnehin schon düsteren Sound perfekt unterstrich. Der Grundsound bewegt sich souverän zwischen Death und Black Metal, während sich symphonische Elemente nur vereinzelt ins Klangbild mischen und dem Ganzen zusätzliche Atmosphäre verleihen, ohne den brutalen Charakter zu verwässern. Ihr Debütalbum Crimson Demise aus dem Jahr 2024 ist ohnehin ein echter Knüller und live funktionierte das Material ebenfalls hervorragend. Kaum hatte ich mich richtig warmgehört, war der Auftritt gefühlt auch schon wieder vorbei. Ein verdammt starker Einstieg in den Abend.

Als Nächstes standen Cryptosis aus den Niederlanden auf dem Programm. An die Band konnte ich mich noch gut erinnern, schließlich waren sie vor vier Jahren gemeinsam mit Vektor, Comaniac und Algebra in der Goldgrube zu Gast. Damals passten sie mit ihrem progressiven Thrash Metal für mein Empfinden noch besser ins Line-up. Auch musikalisch hat mich das damalige Album Bionic Swarm stärker abgeholt als der aktuelle Nachfolger Celestial Death. Trotzdem lieferten die drei Niederländer einen starken Auftritt ab. Technisch versiert, tight und mit ordentlich Druck präsentierten sie ihren anspruchsvollen Thrash Metal. Gerade die spielerische Präzision und die komplexen Arrangements verdienen Respekt. Das Publikum spendete entsprechend Applaus – den hatten sich Cryptosis redlich verdient. Auch der Auftritt war viel zu schnell vorbei.

Dann war es endlich so weit: The Spirit aus Saarbrücken betraten die Bühne. Seit 2015 überzeugt die Band mit ihrer eigenständigen Mischung aus Black und Death Metal. Zweimal hatte ich sie bereits live gesehen, und die Vorfreude auf diesen Auftritt war entsprechend groß. Die Band hatte ihren eigenen Soundmixer dabei, der allerdings kurzfristig für den regulären Soundmenschen einspringen musste. Das Ergebnis konnte sich hören lassen: Die Gitarren klangen geschmeidig und homogen, ohne an Härte oder Geschwindigkeit einzubüßen – genau der typische The-Spirit-Sound. Das letzte Album Songs Against Humanity ist mittlerweile auch schon wieder zwei Jahre alt, doch neben den neueren Songs gab es erfreulicherweise auch älteres Material zu hören. Gerade diese Stücke, die für mein Empfinden noch progressiver komponiert sind, gefallen mir ausgesprochen gut. Hier zeigt sich, wie geschickt die Band rasende Passagen, melodische Elemente und komplexe Arrangements miteinander verbindet, ohne dabei die nötige Wucht einzubüßen. The Spirit präsentierten sich souverän und eingespielt und lieferten einen rundum überzeugenden Auftritt ab, der meine Vorfreude absolut gerechtfertigt hat.

