Ein Freitagabend in Kassel. Die drückende Hitze der vergangenen Tage lag noch schwer über der Stadt, als ausgerechnet ein Gewitter für die ersehnte Erlösung sorgte. Frische Luft, ein bisschen Abkühlung und damit genau der richtige Moment, um mit neuem Elan in Richtung Goldgrube aufzubrechen. Seit der Ankündigung dieses Abends hatte ich mich darauf gefreut, denn mit Phobocosm stand eine Band auf dem Programm, die ich bereits einige Jahre zuvor zusammen mit Fuoco Fatuo erleben durfte. Damals hatten die Italiener in Sachen Härte allerdings noch einmal eine ganz eigene Messlatte aufgelegt. Phobocosm aus Kanada haben inzwischen nachgelegt. 2025 erschien mit „Gateway“ ein neues Album, das sich keineswegs hinter dem bereits brachialen Vorgänger verstecken muss. Die Kanadier wirken noch kompromissloser, noch gewaltiger und noch entschlossener, ihre Musik wie eine massive schwarze Wand über das Publikum hinwegzurollen. Phobocosm legten eine Show hin, die keine Wünsche offen lies. Kein unnötiger Schnickschnack, sondern finsterer, wuchtiger Death Metal, der einem mit voller Wucht entgegenschlug. Die Songs wirkten live noch bedrohlicher als auf Platte, schwer, zäh und gleichzeitig mit einer enormen Energie. Was hier von der Bühne kam, war nicht einfach nur laut und hart – es hatte eine geradezu erdrückende Aura. Phobocosm spielten sich regelrecht durch den Club und hinterließen dabei kaum Zweifel daran, warum „Gateway“ so hervorragend in ihr bisheriges Schaffen passt.


Danach übernahmen Fossilization aus Brasilien das Kommando. Die noch vergleichsweise junge Band existiert erst seit 2020, hat mit „Leprous Daylight“ ihr Debütalbum veröffentlicht und 2026 mit „Advents of Wound“ noch einmal nachgelegt. Ich hatte Fossilization bereits gemeinsam mit Altars gesehen, musikalisch schon damals eine ziemlich brutale Angelegenheit. Nur mit dem Schlagzeug konnte ich seinerzeit überhaupt nichts anfangen. Umso gespannter war ich, wie sich die Band inzwischen entwickelt hatte. Schon beim Erlöschen der Lichter war klar, dass es fotografisch kein einfacher Abend werden würde. Viel mehr als rotes Licht blieb nicht übrig – mein absolutes Hasslicht als Fotograf. Bei Fossilization wurde es anschließend sogar noch dunkler. Der Sänger stand nahezu vollständig in Schwarz, verschmolz mit der Dunkelheit und war teilweise kaum auszumachen. Für einen Fotografen ein Albtraum, für die Musik allerdings die perfekte Kulisse. Denn Fossilization brauchten kein großes Lichtgewitter, um Wirkung zu erzielen. Ganz im Gegenteil. Die Dunkelheit passte geradezu perfekt zu ihrem Sound. Was aus den Boxen kam, war noch härter und finsterer als das zuvor Erlebte. Zähflüssige, abgrundtiefe Gitarrenwände, ein Sound, der nach Verwesung und modrigem Keller roch, und darüber diese unglaublich düstere Atmosphäre. Fossilization spielten einfach Death Metal – fies, dreckig, brutal und gleichzeitig verdammt genial. Genau diese Mischung machte den Auftritt so stark. Die Songs entwickelten eine beklemmende Wucht, die sich nicht sofort wieder auflöste, sondern sich regelrecht im Raum festsetzte. Mein persönlicher Fokus lag dabei ganz klar auf dem Schlagzeuger. Und was soll ich sagen: Danke! Genau so hatte ich mir das gewünscht. Wo mich das Drumming beim letzten Mal noch überhaupt nicht überzeugen konnte, war diesmal nichts davon zu spüren. Kraftvoll, präzise und mit einer unglaublichen Wucht prügelte er sich durch das Set und gab den ohnehin schon schweren Songs genau den Druck, den sie brauchten.

