THE HIRSCH EFFEKT (13.3.26)

Für mich als extrem großen Fan von The Hirsch Effekt war der Abend in der Goldgrube Kassel von Anfang an etwas Besonderes. Ich kenne die Songs der Band in- und auswendig, und genau deshalb war die Vorfreude riesig. Das Konzert begann tatsächlich pünktlich und am Ende standen volle zwei Stunden auf der Uhr, inklusive drei Zugaben. Schon früh im Set hatte ich einen ganz persönlichen Höhepunkt. Ich hatte mir Vituperator gewünscht – und als der Song dann wirklich gespielt wurde, bin ich komplett ausgerastet. Genau solche Momente sind es, die Konzerte für mich unvergesslich machen. Damals war es „Athesie“, dann „Lysios“, „Bezoar“ heiß gewünscht oder beim vorherigen Gig in der Grube mit „Mara“ unvergessen. Es gibt sowieso keinen einzigen Titel den ich nicht mag. Die neuen Songs vom aktuell erschienen Album „Der Brauch“ waren zwar insgesamt zahmer, aber haben mir lief richtig gut gefallen. Auf der Bühne lieferten die drei wie gewohnt absolut ab. Nils wirbelte mit seiner Gitarre wieder wie ein Derwisch über die Bühne, ständig in Bewegung, völlig im Flow. Ilja stand ihm mit seinem Bass in nichts nach: souverän wie immer, druckvoll und präsent. Und dann natürlich Moritz hinter dem linksseitig aufgebauten Schlagzeug. Wie erwartet zog er seine „Mr. Moe steals the show“-Momente durch – technisch unglaublich, mit einer Energie, bei der man kaum glauben kann, dass da nur drei Leute auf der Bühne stehen. Nach zwei Stunden voller Intensität der letzte Song des Abends: Lifnej. Ein Bollwerk von einem Song, der mir durch die Textzeile „Tanz mit mir servil zum uns vertrauten Lied“ einen merkanten Zuordnungseffekt hat, da mir weder zuvor, noch später das Wörtchen über den Weg lief. THE sind nicht nur mit ihren schrägen Tönen exclusive, sondern auch mit ihren Texten. Zwischendurch gab es auch einen Moment, in dem Nils erwähnte, dass sich herumgesprochen hat, dass die Goldgrube durch den Kauf weiterbestehen kann – sogar bis nach Hannover sei das gedrungen. Dort hätten sie, meinte er, eigentlich auch gern so einen Club. Das Publikum zeigte ohnehin den ganzen Abend über, warum solche Orte wichtig sind. In den ruhigeren Passagen wurde es immer wieder erstaunlich still, fast gespannt lauschend, bevor der Applaus danach umso lauter losbrach. Ein intensiver Abschluss nach zwei Stunden Musik und drei Zugaben, getragen von einem Publikum, das hörbar jeden Moment aufgesogen hat. Bis zum nächsten Mal.

 

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