ELDERWIND + CÂN BARDD + ELDAMAR (12.02.26)

In der Goldgrube wurde es an diesem Abend finster, episch und erstaunlich vielfältig. Drei Bands, drei unterschiedliche Spielarten des atmosphärischen Black Metal – und jede nahm das Publikum mit auf ihre ganz eigene Reise.

Eldamar

Das Projekt aus Askim (Norwegen) existiert seit 2015 und wurde von Mathias Hemmingby ins Leben gerufen. Der Name ist inspiriert von einem Ort aus Der Herr der Ringe, ein Heim der Elben – und genau so fühlt sich die Musik auch an: wie eine Reise durch eine mythische, weite Welt.  Live wurde Hemmingby unterstützt von Jon Anders Krogh am Bass, Karelius Ihlang am Schlagzeug und an der Gitarre Erlend Andersen. Hinter der Band liefen Projektionen von Wäldern, Nebel, Lichtungen. Schon nach wenigen Minuten hatte man weniger das Gefühl, in einem Club zu stehen, sondern eher, auf einem ausgedehnten Waldspaziergang zu sein – nur eben mit mächtigem Soundtrack. Eldamar arbeiten viel mit flächigen Keyboards, langen instrumentalen Passagen und einer Atmosphäre, die stellenweise an Filmmusik erinnert. Gesang gibt es kaum; wenn, dann tauchen gezielt gesetzte Screams oder ätherische weibliche Stimmen auf, die wie ferne Geister durch die Kompositionen ziehen. Zwischendurch wurde es fast schon kosmisch, besonders in den psychedelisch angehauchten Momenten, in denen man eher durch Sternennebel als durch Bäume zu treiben schien. Leider gab es keine Setlist, denn mich hätte es wirklich sehr interessiert, welche Stücke sie für diesen Abend ausgewählt hatten. Meine persönliche Überraschung des Abends.

Cân Bardd

Seit 2016 aktiv und beheimatet in Genf (Schweiz) haben sich Cân Bardd mit inzwischen drei Alben einen starken Namen im Epic/Atmospheric Folk Black Metal erspielt. Hinter dem Projekt stehen vor allem Malo Civelli (Gesang, Gitarren, Bass, Keyboards, orchestrale Arrangements) und Dylan Watson am Schlagzeug.                    Live wurde das Material spannend umgesetzt. Ein festes Keyboard fehlte, doch dadurch litt der Sound keineswegs – im Gegenteil. Eine Geigerin übernahm die melodischen Linien und steuerte zugleich den klaren, weiblichen Gesang bei, was den Stücken eine sehr organische, fast mittelalterlich anmutende Wärme verlieh. Der Gitarrist griff zusätzlich zur Flöte, der Bassist ergänzte mit Backing Vocals.          Wie beschreibt man ihren Stil am besten? Episch, weit, naturverbunden. Die Songs bauen Landschaften auf: Bergketten im Morgenlicht, alte Pfade, Sagen und Erinnerungen. Über den oft treibenden Drums entfalten sich hymnische Melodien, die sofort Bilder im Kopf entstehen lassen. Der harsche Black-Metal-Gesang wird immer wieder von klaren, fast zerbrechlichen Passagen durchbrochen, wodurch eine packende Dynamik entsteht. Nach meinem Empfinden dominierten Cân Bardd den Abend – musikalisch, emotional und auch in der Bühnenpräsenz. Vielleicht täusche ich mich, aber die Reaktionen im Publikum gaben diesem Eindruck durchaus recht.

Elderwind

Die russische Formation, gegründet 2009, brachte den Abend schließlich zurück zu einer kälteren, raueren Spielart des atmosphärischen Black Metal. Mit Persy an der Gitarre, Andrey am Schlagzeug, Alexander Shirochenko am Gesang sowie Dimitry Mazur an Bass und Vocals setzten sie stärker auf klassische Genre-Elemente. Typisch für Elderwind sind weitläufige, melancholische Melodien, die sich langsam entfalten und eine fast hypnotische Wirkung haben können. Immer wieder öffnen sich inmitten der Raserei klare, verträumte Gitarrenparts, die wie Sonnenstrahlen durch dichte Wolken brechen. Leider war der Gesang an diesem Abend etwas übersteuert, wodurch manche Nuancen verloren gingen. Auch passierte es stellenweise, dass die feinen Gitarrenmelodien im Gesamtklang untergingen. Das war schade, denn gerade diese Details machen den atmosphärischen Charakter der Band normalerweise besonders stark. Nichtsdestotrotz blieb die emotionale Wucht spürbar, und viele im Publikum ließen sich bereitwillig in diese frostige Klangwelt ziehen.

Am Ende stand ein Abend, der zeigte, wie unterschiedlich Atmospheric Black Metal interpretiert werden kann: von verträumt-cinematisch über episch-folkloristisch bis hin zu rau und melancholisch. Die komplett ausverkaufte Goldgrube war der perfekte Ort für diese Reise.

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